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Livestreams gibt es viele. Doch nur wenigen gelingt es, ihr Publikum wirklich zu fesseln. Wie wichtig Dramaturgie im Livestream ist und was man dabei von Twitch lernen kann, zeigen wir in diesem Artikel.

Einfach die Kamera aufstellen und los gehts – im Grunde ist ein Livestream so einfach aufgesetzt. Doch wer Nutzer begeistern und im Stream halten möchte, sollte sich neben der Technik vor allem um den Inhalt Gedanken machen. Dramaturgie ist hier wichtig. Doch was ist das genau?

Eine Dramaturgie ist die Art, wie ein Inhalt erzählt wird. Hier gibt es verschiedene Methoden, wie man einen Inhalt aufbauen kann. Als Synonym zur Dramaturgie kann man auch vom Storytelling sprechen. Und das ist nichts, was es nur bei fiktionalen Inhalten gibt. Auch bei Tagungen oder Vorträgen kann man dies einsetzen. Denn am Ende geht es bei einer guten Story immer um eine Entwicklung. Das bedeutet, man braucht ein klares Ziel, auf das man hinaus möchte.

Im Falle einer Tagung kann dies ein bestimmter Erkenntnisgewinn sein. Davon ausgehen kann man die Story bauen, also die weiteren Inhalte so auswählen und gestalten, dass sie am Ende auf das Ziel hinauslaufen.

Damit der Weg nicht zu stringent und vorhersehbar ist, kann man mit verschiedenen dramaturgischen Mitteln arbeiten. Diese sorgen für die nötige Spannung. Denn dann ist nichts vorhersehbar (und damit langweilig) und die Zuschauer und Nutzer bleiben dabei, weil sie wissen möchten, was als Nächstes kommt und wie es weiter geht.

Vom Fernsehen und Theater lernen

Das Fernsehen und das Theater bedienen sich dieses Mittels schon lange. Ein gewisses Grundinteresse am Thema vorausgesetzt, etwa durch das Einschalten oder Anmelden zu einer Veranstaltung, möchte der Zuschauer aber auch Unterhalten werden. Dafür haben sich folgende Mittel etabliert.

Überraschen

Überrasche Deine Zuschauer! Das klingt banal, ist aber sehr wirkungsvoll – und gar nicht so leicht umzusetzen. Allgemein gesagt ist ein überraschender Moment jeder, mit dem keiner gerechnet hat. Das kann ein Überraschungsgast sein, ein besonderer Einstieg oder eine Ankündigung auf etwas neues, was erst später passieren wird.

Kontraste & Gegensätze schaffen

Groß gegen klein, Mensch gegen Maschine – die Liste der Gegensätze lässt sich endlos lang fortsetzen. Sie sind ein bewährtes Mitteln, mit denen man arbeiten kann.

Verzögerung

Jeder kennt wahrscheinlich den Moment, bei dem der Gewinner bekannt gegeben wird, aber der Moderator die Bekanntgabe des Namens durch noch einen Satz und noch einen Satz hinauszögert. Das ist eine Form der Verzögerung. Auch durch einen parallelen Erzählstrang kann man eine solche Verzögerung schaffen.

Unwissenheit

Dieses Element nutze Alfred Hitchcock sehr stark. Er erläuterte dies am Beispiel einer Bombe: explodiert eine Bombe, ist der Zuschauer überrascht. Sieht der Zuschauer vorher, wie die Bombe platziert wird, und weiß er, dass diese bald explodieren wird, fiebert er mit.

Es geht also darum, dass man als Zuschauer etwas weiß, was der Protagonist oder der Moderator nicht weiß. Realisieren lässt sich das beispielsweise durch Einblendungen oder parallele Erzählstränge.

Am Anfang ist jeder Livestream wie eine leere Bühne, die man bespielen muss. Foto: unsplash

Neben diesen sehr etablierten Mitteln des Storytelling, die wir aus Film, Fernsehen oder Theater kennen gibt es weitere Mittel, die sich gut anhand des Beispiels Twitch zeigen lassen.

Von Twitch lernen

Twitch funktioniert als Plattform, auf der sich Menschen mit gleichen Interessen zusammenfinden. Das kann Gaming sein, aber auch Sport oder Musik, Talk, Landwirtschaft („Twitch Farming„) oder Politik.

Einer, der wissen muss, welche Inhalte bei Twitch erfolgreich sind, ist Jannik Hülshoff. Er ist Director of Partnerships Central Europe & CIS, und er weiß, wie man Zielgruppen bindet. Er sagt: „Der Erfolg von Live-Streaming auf Twitch beruht darauf, dass es Menschen Spaß macht, anderen bei etwas über die Schulter zu schauen, das sie so richtig gut können. Die Begeisterung überträgt sich und das Publikum wird animiert, zu interagieren und sich einzubringen. So entsteht ganz automatisch eine lebendige Community und ein echtes Gemeinschaftsgefühl.

Gamer bei Twitch. Foto: Sean Do o/ Unsplash

Hier nennt er zwei Faktoren:

  • Das Format „der Blick über die Schulter“. Wir schauen gerne Menschen dabei zu, wie sie etwas machen. Das Fernsehen hat das schon lange erkannt und arbeitet damit als Formate. Dabei blicken wir in Restaurants oder begleiten Polizei und Feuerwehr. So etwas funktioniert im Livestream dann besonders gut, wenn wir uns für das Thema interessieren. Ein Beispiel: Eine Person, die sich für Schmuck interessiert, schaut einem Goldschmied bei der Arbeit zu. Und eine Person, die sich für Autos interessiert, schaut einer Mechanikerin in der Werkstatt zu. Hier geht es also um das Format, bei dem idealerweise etwas passiert (und damit sind wir dann wieder beim Storytelling)
  • Der zweite Faktor ist die Interaktion. Denn anders als beim Fernsehen kann man hier nicht nur zuschauen, sondern ist dabei, kann Fragen stellen oder mit anderen Zuschauern chatten. Der Host geht auf diese Fragen ein, so entsteht das Community-Gefühl. Und es führt zu einem weiteren Aspekt.

Jannik Hülshoff sagt, es gehe um Persönlichkeiten. „Wer eine kreative Idee hat und begeistern kann, hat die Chance, sich eine Community auf Twitch aufzubauen.“

  • Eine Persönlichkeit, die nicht nur fachlich zum Thema passt, sondern auch gut interagieren kann, Benutzer begeistert und als „Host“ agiert, ist für einen erfolgreichen Stream entscheidet. Diese Person ist das Gesicht der Sendung, sie ist die Bezugsperson für die Zuschauerinnen und Zuschauer.

Fazit

Generell ist es wichtig, dass man einen Livestream entlang bekannter dramaturgischer Elemente plant und umsetzt. Wie genau die Dramaturgie aussieht, hängt dabei sehr vom Inhalt, von der Länge und vom Format ab. Während manche Formate („Blick über die Schulter“) eine natürliche Dramaturgie schon mitbringen und hier überraschendes auf natürlich Weise passiert, muss dies bei Formaten wie einer Tagung künstlich geschaffen werden. Das erfordert eine entsprechende Planung und Proben, damit bei der Veranstaltung alles reibungslos läuft und die Zuschauer fesselt.

 

Sie planen einen Livestream oder eine virtuelle Veranstaltung? Dann profitieren sie von unserer Erfahrung und lassen sie sich beraten. 

 

Gregor Landwehr

Gregor Landwehr

ist Co-Founder & COO von Contentflow.