Die Videplattform Twitch steht an der Spitze der Proteste in Hongkong: Studenten nutzen die Plattform, um doe Proteste zu streamen. Live-Streaming ist zwar oft ein Marketinginstrument für traditionelle Medienberichterstattung, Events oder Branding, ermöglicht es aber auch, Aktivismus zu organisieren. Die Technologie hilft den Bürgern, Nachrichten weiterzugeben.

Was ist in Hongkong hier los?

Am 9. Juni wurden laut South China Morning Post über eine Million Demonstranten bei den Protesten gezählt. Warum strömen Millionen auf die Straßen? Sie wollen gegen ein umstrittenenes Gesetz, das es Peking ermöglichen würde, in Hongkong lebende Flüchtlinge auszuliefern, demonstrieren. Die Demonstranten befürchten, dass dieses Gesetz dazu führen könnte, dass politische Dissidenten in China ins Visier genommen werden.

Twitch und Social Media

Dies ist nicht das erste Mal, dass Livestreaming als Werkzeug für politischen Aktivismus verwendet wird. So wurden beispielsweise Proteste von Caracas, Venezuela bis Kairo live übertragen. Beim „Arabischen Frühling“, den Revolutionen auf dem Tahrirplatz 2011 in Ägypten und bei der „Jasminrevolution“ in Tunesien spielten Soziale Netzwerke für die Organisation der Proteste zum ersten mal eine wichtige Rolle. Facebook war damals ein wichtiges Medium zur Mobilisierung der Bevölkerung. Über Twitter und YouTube sendeten junge Araberinnen und Araber Informationen über Massenproteste um die Welt – auch live. Hier waren es überwiegend Fotos und Tweets. Weil in den Ländern die klassischen Medien oft von der Regierung gesteuert sind, sind die Online-Plattformen sehr wichtige Kanäle um unzensierte Bilder in die Welt zu senden.

Digitale Mundpropaganda

Traditionelle Mundpropaganda funktioniert, aber sie würde nie die Reichweite entfalten können wie digitale Mundpropaganda. Diese ist nicht nur einfach, sondern auch effektiv und insbesondere in totalitären Regiemen auch risikoloser umsetzbar. Demonstranten in Hongkong kommunizierten Informationen über ihre Standorte und aktuelle Entwicklungen. Sie benutzten dafür Whatsapp, Telegram und Signal, um Updates über die Proteste zu teilen. Dies ermöglichte es Tausenden von Demonstranten, während der Proteste, die Hauptrouten Hongkongs zu stürmen.

Die Rolle von Livestreams für die Proteste

Bei den Protesten in Hongkong sehen wir zum ersten mal, das bei Twitch mehrere Livestreams der Ereignisse laufen. Dort haben Nutzer TV-Material und Livestreams von Usern kombiniert. So gab es auf einer zentralen Seite einen guten Überblick, was grade an verschiedenen Orten passiert. Bislang war Periscope über Twitter das Tool für Livebilder bei Protesten.
„Es ist sehr interessant zu sehen, wie sich die Rolle der Plattformen ändert und das zum ersten mal Twitch der zentrale Ort für Livebilder von Protesten ist“, so der Politikwissenschaftler und Contentflow-COO Gregor. „Die Schwierigkeit bei Protesten mit tausenden Menschen ist natürlich immer die Internetverbindung vor Ort. Daher war es durchaus geschickt, die Livebilder der Fernsehsender und der Nutzer zu kombinieren. Tausende schauten auf über Twitch zu.“

Anonymität wahren

Auch in Hongkong spielten Messanger eine wichtige Rolle für die Organisation der Proteste. Um die Anonymität der Demonstranten zu bewahren, hatten viele von Ihnen die Gesichts-ID und die Touch-ID auf ihren iPhones ausgeschaltet. Obwohl die Polizei Häftlinge zwingen könnte, ihre Handys zu entsperren, sagen die Gesetze in Hongkong, dass die Menschen ein Recht darauf haben, sich selbst nicht zu belasten. Darüber hinaus rieten Aktivisten den Teilnehmern, entweder ihr Handy nicht zu Protesten mitzubringen oder die Nutzung von öffentlichen WLANs zu vermeiden.

Mit dem derzeitigen Zugang zur Technologie werden immer mehr Veranstaltungen sofort auf globaler Ebene geteilt und sichtbar, ohne die Filterung durch staatliche Stellen. Livestreaming ermöglicht eine agendafreie Berichterstattung, so dass die Menschen mit eigenen Augen entscheiden können, was sie im Livestream sehen. Nach dem Betrachten von Live-Events können Menschen der Verantwortung gerecht werden, sich über das Thema zu informieren und sich für die Verbesserung globaler Themen und Bedingungen einzusetzen.