Skip to main content

Der Begriff „Teleteaching“ klingt veraltet, ist aber aktueller denn je. Digitale und hybride Vorlesungen, Seminare oder Gastvorträge sind heute sehr relevant, auch wenn die Präsenzlehre an Unis, Hochschulen und anderen Bildungsinstitutionen sicherlich Vorrang hat. Digitale Vorlesungen sowie integriertes Lernen (Blended Learning) können aber zusätzlich einiges leisten. Erfahre hier, was man beim Livestreaming von Vorlesungen und Lehrveranstaltungen wissen sollte.

 

Auch wenn man bereits fest im Berufsleben steht, gibt es die Möglichkeit, sich ständig weiterzubilden. Viele Berufstätige verspüren diesen Wunsch und beginnen ein erstes oder zweites Studium neben einer Teilzeittätigkeit. Und das muss nicht zwingend ein Abendstudium oder eine Fernweiterbildung sein, viele entscheiden sich für ein Präsenzstudium an einer Universität.

Beruf und Studium zeitlich miteinander zu vereinbaren, ist sicher eine Herausforderung, aber machbar. Wer studiert hat, weiß, dass ein Präsenzstudium viel Zeit einnimmt und natürlich bestenfalls großen Spaß macht. Über den Campus schlendern, Vorlesungen und Seminare besuchen, mit Kommilitoninnen und Kommilitonen Kaffee trinken – so viel Zeit sollte immer sein. Und das gilt in jedem Fall umso mehr für die ganz jungen Studentinnen und Studenten, die noch keinem Beruf nachgehen.

Viele Universitäten, Fachhochschulen und andere Bildungseinrichtungen haben sich in den letzten Jahren teils zwangsläufig aufgrund der Pandemie-Situation, teils unabhängig davon mit digitalisierten Prozessen auseinandergesetzt. Es gab dahingehend einen ordentlichen Schub, viel Know-how wurde aufgebaut. Dazu zählten unter anderem Planung und Durchführung virtueller und hybrider Vorlesungen, Seminare oder Arbeitsgruppen.

Teleteaching gibt es schon lange

Tatsächlich gab es gewisse Begrifflichkeiten aber schon seit einigen Jahren. Teleteaching ist zum Beispiel nicht neu, das Wort klingt aber heute ein wenig veraltet, ist es aber nicht – im Gegenteil: Es ist aktueller denn je. Die Plattform e-teaching.org, ein Angebot der Stiftung Medien in der Bildung (SbR) / Leibniz-Institut für Wissensmedien in Tübingen, hat den Begriff „e-teaching“ wie folgt beschrieben:

Teleteaching ist die Liveübertragung von Lehrveranstaltungen, insbesondere von Vorlesungen, über Videokonferenz-Systeme. Eine Erweiterung des Teleteachings kann über die Aufzeichnung der Liveübertragungen und eine webbasierte Distribution über Streaming-Video oder über Datenträger wie DVD und CD-ROM geschehen. Zudem können die Aufzeichnungen bearbeitet werden. Dabei werden Vorlesungsmitschnitte gemeinsam mit den Foliensätzen einschließlich sämtlicher Annotationen für die zeitversetzte Nutzung aufbereitet. (Quelle: https://www.e-teaching.org/materialien/glossar/teleteaching)

Drei Szenarien, aus denen sich weitere ergeben können

Im Prinzip wird Teleteaching demnach für digitale Vorlesungen, Vorlesungsreihen, Arbeitsgruppen oder andere virtuelle Online-Projekte in der Lehre angewendet. Es gibt hier laut der Plattform drei verschiedene Szenarien, die die einzelnen Lehroptionen detaillierter beschreiben.

digitale Vorlesungen

Präsenz-Vorlesung, die gleichzeitig digital übertragen wird. Foto: Kenny Eliason / Unsplash

1. Remote Lecture Room (RLR): Dies ist eigentlich eine Präsenzveranstaltung. Zwei oder mehr Vorlesesäle werden aber digital miteinander verbunden. Das heißt, dass zum Beispiel in Hörsaal 1 eine Lehrperson referiert und als Livestream in Hörsaal 2 und 3 gleichzeitig übertragen wird, damit möglichst viele Menschen dem Vortrag folgen können. Auftauchende Fragen können die Studierenden in Hörsaal 1 direkt an die Lehrperson stellen. In den Remote-Hörsälen 2 und 3 muss es dafür eine Person geben, die die Fragen aus dem Publikum weitergibt – zum Beispiel mit einem Mikrofon zu der jeweiligen Person geht und der Ton direkt in Hörsaal 1 übertragen wird.

2. Remote Interactive Seminar (RIS): Dies hier ist ebenso eine Präsenzveranstaltung, bei der das Publikum im Hörsaal 1 einen Vortrag mitverfolgen kann. Zusätzlich haben mehrere Seminarräume die Möglichkeit, dem Vortrag digital zu folgen, da sie technisch mit dem großen Hörsaal 1 verbunden sind. Die einzelnen kleinen Seminarräume sind untereinander nicht verbunden. Hier gibt es eine einseitige Kommunikationsrichtung, ein Rückkanal ist technisch zwar theoretisch umsetzbar, aber etwas aufwendiger. Ein moderierter digitaler Chat könnte hier jedoch einen geeigneten Rückkanal anbieten.

3. Interactive Home Learning (IHL): Diese Variante entspricht einer rein virtuellen Veranstaltung. Denn die Teilnehmerinnen und Teilnehmer verfolgen die digitale Vorlesung oder ein Seminar von Zuhause aus mit. Das Tool für die Liveübertragung sollte eine Chatfunktion anbieten, damit sich alle Beteiligten untereinander austauschen können. Zudem können sie mit der Computer-eigenen Webcam selbst Beiträge beisteuern.

Auch Blended Learning ist nicht neu

„Blended Learning“ bedeutet in direkter deutscher Übersetzung „vermischtes Lernen“, aber es wird frei als „integriertes Lernen“ übersetzt. Auch diesen Begriff gibt es lange. Schon in 2004 haben Themenexperten dazu ein Buch mit dem Namen „Blended Learning. Effiziente Integration von E-Learning und Präsenztraining“ veröffentlicht.

Sie beschreiben darin, dass Blended Learning ein integriertes Lernkonzept ist. Dieses verbindet einfach gesagt klassische Lernmethoden mit modernen, digitalen Möglichkeiten. Das kann unabhängig von Ort und Zeit geschehen. (Quelle: Sauter, Annette M., Werner Sauter, and Harald Bender. Blended Learning : effiziente Integration von E-Learning und Präsenztraining / Sauter ; Sauter ; Bender. 2., erw. und überarb. Aufl. Unterschleißheim ; München: Luchterhand, 2004. Print.) 

Im Prinzip ist dieses Konzept das Pendant zu heutigen hybriden Veranstaltungen, aber eben in der Lehre gar nicht so neu, wie viele denken mögen. Es steht in enger Verbindung zu Entwicklungen im Bereich e-Learning.

Was kommt als nächstes, was bleibt, was geht?

Was wir vor allem in den Jahren 2020 und 2021 erlebt haben, ist ein starker Schub in Richtung Digitalisierung an Bildungsinstitutionen. Dass nun der Wunsch nach Präsenzveranstaltungen stärker denn je ist, ist eindeutig und nachvollziehbar. Jedoch werden manche digitale Vorlesungen bleiben.

Internationale Gastvorträge leichter ermöglichen

Zu erwarten sind einerseits flexiblere Lösungen in der Bildung – wie Blended Learning. Bleiben werden sicherlich mancherorts hybride und digitale Vorlesungen, vor allem dann, wenn es darum geht, internationale Gastvorträge zu ermöglichen. So können aufwendige Reisen erspart bleiben oder Studierende aus vielen verschiedenen Orten gleichzeitig an einer Vorlesung teilnehmen.

So viel wie möglich vor Ort

Dabei ist es weniger das Ziel, die Universitäten so wenig wie möglich zu besuchen, umso mehr aber, auf die Bedürfnisse von Studierenden und Lehrpersonen einzugehen. Denn mit hybriden und digitalen Vorlesungen kann man auch etwas spontaner planen und eben häufiger externe Gastvorträge ermöglichen. Das kann sowohl für die Lehrenden als auch für die Studentinnen und Studenten von Vorteil sein.

Das ging gar nicht: Der Zoom-Overload

Was die meisten Menschen nicht vermissen werden, sind stundenlange Zoom-Vorträge oder andere digitale Frontal-Beschallungsveranstaltungen. Was wir gelernt haben, ist, dass bei frontalen, einseitigen Vorträgen die Aufmerksamkeit im Digitalen schnell sinkt. Interaktive Elemente helfen zwar, das zu verhindern. Aber nach mehreren Stunden vor dem Rechner nützt auch die zehnte interaktive Umfrage nichts mehr.

Digitale Vorlesungen: Worauf zu achten ist

Eine Streaming-Lösung muss den datenschutzrechtlichen Anforderungen gerecht werden. Sobald eine Veranstaltung neben dem Livestream aufgezeichnet werden soll, müssen von allen Personen Einverständniserklärungen eingeholt werden. In der Regel bieten Universitäten Vorlagen zum Herunterladen an, wie zum Beispiel diese der Goethe Universität Frankfurt am Main.

Die ausführenden Personen sollen zu jedem Zeitpunkt die vollständige Kontrolle über die erhobenen Daten haben. Dabei ist zu beachten, dass mit einem Tool gearbeitet wird, das ausschließlich auf Servern speichert, die sich in der Europäischen Union befinden und Daten nicht über außereuropäische Länder transferiert werden.

Die Performance

Bei einem digitalen oder hybriden Vorlesungs- oder Seminarangebot muss die Performance einwandfrei laufen. Die Audio- und Videoqualität muss gleichbleibend sehr gut sein – und vor allem unabhängig davon, wie viele Zuschauerinnen und Zuschauer die Veranstaltung gleichzeitig mitverfolgen.

Nötiges Feature: Chat

Für alle oben genannten und weiteren Szenarien ist eine Chatfunktion unbedingt empfehlenswert. Wie und wann dieser Rückkanal während einer Vorlesung genutzt wird, können die Dozenten individuell entscheiden. Vielleicht ist es hilfreich, mit Assistenzen als Moderator zu arbeiten, die die Fragen sammeln oder direkt im Chat beantworten.

Welches technische Equipment wird gebraucht?

digitale Vorlesungen

Alle Beteiligten benötigen für die Teilnahme lediglich einen Computer und eine Internetverbindung. Foto: Sigmund /Unsplash

Für die Durchführung von rein digitalen oder hybriden Vorlesungen oder anderen Lehrangeboten braucht es auf Vortragsseite einen Computer, ein Mikrofon sowie eine Kamera (können auch im Rechner integriert sein) und eine passende Software für die Liveübertragung. Für komplexere Szenarien kann es auch sein, dass externe Kameras oder Mikrofone benötigt werden.

Geht man davon aus, dass eine Person einen rein digitalen Vortrag hält, ist ein Computer mit integrierter Kamera und integriertem Mikrofon ausreichend. Bei einer hybriden Lösung kann das meistens sogar auch ausreichen. Ist es jedoch nötig, dass die Studentinnen und Studenten, die digital teilnehmen, den Blick auf eine visuelle Präsentation haben sollen, muss bedacht werden, dass der Rechner so platziert wird, dass Ton und Bild digital zu sehen sind.

Für die Seite der Studierenden bedeutet dies, dass sie ebenso einen Computer mit Internetanschluss, integrierter Kamera und Mikro sowie die ausgewählte Software besitzen. Viele Anwendungen funktionieren über Webbrowser, sodass eine Installation häufig nicht zwingend nötig ist.

Zudem ist es ratsam, Tutorials bereitzustellen und die Technik vorher zu testen. Universitäten verfügen über eine IT-Abteilung beziehungsweise ein Rechenzentrum, die für Fragen erreichbar sind. Die Teilnahme an digitalen und hybriden Angeboten sollte möglichst niedrigschwellig sein, damit sich niemand ausgeschlossen fühlt, wenn das technische Know-how noch nicht vorhanden sein sollte.

Ein Beispiel abseits von Hochschulen: Charité nutzt Lernportal

Die Charité Berlin nutzt das Lernportal von Contentflow für Fortbildungszwecke. Die Teilnahme an dem Symposium konnten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer über das Ärztekammer-Punktesystem anrechnen lassen. Das interdisziplinäre Symposium der Charité wird für Weiterbildungen genutzt. Einige Vorträge wurden in Präsenz abgehalten, andere rein digital.

Uni Vorlesung online: Flexible Angebote sind für alle interessant

Hybride und digitale Lehrangebote an Universitäten, Fachhochschulen und anderen Bildungsinstitutionen sind in jedem Fall nicht nur für Berufstätige interessant. Auch für Studierende, die frisch vom Abitur kommen, kann das von großem Vorteil sein. Denn sie profitieren bestenfalls von international gehaltenen Gastvorträgen oder haben die Möglichkeit, aufgrund eines Studentenjobs oder anderen Terminen eine Vorlesung hier und da digital mitzuverfolgen. Das kann eine zeitliche Erleichterung sein, denn viele müssen nebenbei arbeiten, um sich zu finanzieren.