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Viele kennen sicher klassische Vorträge oder Diskussionen als digitale Veranstaltungen. Beides sind etablierte Formate, welche online sehr gut funktionieren. Doch wer das ganze Potenzial von digitalen Events ausschöpfen möchte, sollte die Bandbreite möglicher Formate kennen und einsetzen. In den vergangenen Jahren haben wir hunderte virtuelle Events geplant und produziert. Hier geben wir einen Überblick aus der Praxis und stellen Formate vor, die sich mit Livestreams umsetzen lassen. 

Beginnen wir diese Übersicht zunächst mit einigen Klassikern. Dazu gehören sicherlich:

Keynote

Lars Klingbeil bei seiner Keynote.

Ein frontaler Vortrag, mal mit, mal ohne Folien, kommt bei vielen Veranstaltungen vor. Er lässt sich so fast eins zu eins in einen Livestream übertragen. Alles, was man braucht, ist eine Rednerin oder ein Redner und die Präsentation, die eingebunden werden soll. Dieses Format ist in der Regel nicht sonderlich interaktiv, aber das ist es bei Vor-Ort-Veranstaltungen auch nicht. 

Podiumsdiskussion

Ebenfalls ein sehr verbreitetes Format sind Podiumsdiskussionen. Was bei einer klassischen Veranstaltung auf der Bühne stattfindet – mehrere Diskutanten, eine Moderation – findet in der digitalen Version im Livestream statt. Eine gute Moderation ist hier entscheidend für den Erfolg, im digitalen rundet eine gute Bildregie den Gesamteindruck ab. Bei der Produktion gibt es hier zwei Möglichkeiten: Entweder kommt die Runde in einem Studio oder an einem anderen Ort, der für den Livestream ausgestattet ist, zusammen. Oder die Redner sitzen an ihrem Rechner und werden virtuell zusammengeschaltet. In diesem Fall sollte man auf jeden Fall einen entsprechenden technischen Test einplanen, damit auch alle Redner gut zuhören und zu sehen sind. Wenn eine Diskussion vorgesehen ist, empfiehlt sich ein Tool wie ein moderierter Chat. Diesen kann der Moderator im Blick haben und die Fragen an den passenden Stellen einfließen lassen. 

Eine Diskussion im Livestream.

Seminar

Als eine Abwandlung des Vortrags dienen Seminare häufig der Weiterbildung, in der digitalen Form taucht dafür oft der Name Webinar auf. Dabei liefert ein Referent den Input, meist begleitet von Folien. Einen wesentlichen Platz haben hier die Fragen der Teilnehmer. Daher ist die Umsetzung vergleichbar mit der eines Vortrags, ergänzt durch die Möglichkeit, Fragen zu stellen. Die virtuelle Form ist meist deutlich kürzer als die Offline-Version.

Workshop

Bei einem Workshop geht es in der Regel darum, unter der Anleitung einer Referentin oder eines Referenten praktisch zu arbeiten. Je nach Aufgabenstellung kommen hier virtuelle Formate manchmal an ihre Grenzen. Virtuelle Tools wie Miro (virtuelles Whiteboard) bieten einige Möglichkeiten. Doch kommt es bei einem solchen Format auch sehr auf die Gruppengröße und Gruppendynamik an. 

BarCamp

Das charakteristische eines Barcamps ist, dass das Programm am Anfang aus dem Kreis der Teilnehmer gefüllt wird. Die Programmpunkte werden dann auf die Räume verteilt. Die vielen digitalen BarCamps haben gezeigt, dass auch die digitalen Ausgaben durchaus gut funktionieren. Da es keine Begrenzung der Räume gibt, können auch alle Programmpunkte angeboten werden. Wichtig ist es, dass eine Übersicht aller Sessions und Räume an einem zentralen Ort erstellt werden, damit die Teilnehmer diese finden.  

World-Café

Hierbei handelt es sich um ein interaktives Format, bei dem Teilnehmer zwischen Tischen wechseln, an denen sie vom Gastgeber begrüßt werden und der ihnen erläutert, was die Gruppe vorher erarbeitet hat. Die Ergebnisse werden auf Papiertischdecken geschrieben. Eine Zusammenstellung von Gruppen in verschiedenen Räumen mit einem Gastgeber lässt sich auch virtuell umsetzen. Wichtig ist, dass sich die Teilnehmer dabei sehen können, ein zusätzliches Tool kann als virtuelle Tischdecke die Ergebnisse sichern. Wichtig ist außerdem, dass alle Teilnehmer den Ablauf und die Regeln kennen.

Kamingespräch

Das Format des Kamingesprächs (oder etwas moderner: Fireside Chat) lebt von der informellen Atmosphäre. Bei einem Offline-Event wählt man den Raum entsprechend aus. Virtuell kann man versuchen, eine ähnliche Stimmung zu schaffen. Durch die üblicherweise geringe Anzahl an Teilnehmern kann es gelingen, eine vertrauensvolle Atmosphäre und dadurch einen ebenso offenen Austausch entstehen zu lassen. 

Table Session

Man trifft sich an verschiedenen Tischen, die jeweils unterschiedlichen Themen zugeordnet sind. Bei einer virtuellen Veranstaltung werden aus den Tischen eigene Räume. Auch hier ist etwas Vorbereitung erforderlich, damit das Format funktioniert. Es braucht klar kommunizierte Regeln und einen festen Ablauf, am besten auch ein festes Zeitfenster.

Fishbowl

Das Format der Fishbowl ist eine Modifikation der Podiumsdiskussion. Dabei sitzen die Teilnehmer in zwei Kreisen, einem inneren und einem äußeren. Der innere Stuhlkreis hat einen freien Stuhl. Dieser kann von Teilnehmern besetzt werden, die sich einbringen möchten. Auch eine solche Form lässt sich digital abbilden, wenn der Moderator den freien Stuhl mit Interessenten besetzt. 

Fazit

Das Spektrum der Formate ist groß. Wichtig ist, dass diese bei einem digitalen Event immer zum Inhalt passen. Die Übersicht zeigt, für welche Inhalte sich welche Formen eignen. In der Regel wird ein längeres digitales Format wie eine Konferenz oder Messe abwechslungsreicher, wenn sich verschiedene Formate abwechseln. Nur übertreiben sollte man es damit nicht, denn insbesondere ein zu häufiger Wechsel, der manchmal auch mit unterschiedlichen Tools einhergeht, kann für Stress bei den Teilnehmern sorgen. Allerdings lohnt es sich, auch mal ein neues Format auszuprobieren. Viele der oben vorgestellten Formate funktionieren eigenständig und sorgen, richtig eingesetzt, für abwechslungsreiche digitale Veranstaltungen. 

Gregor Landwehr

Gregor Landwehr

ist Co-Founder & COO von Contentflow.